Funktioniert eine Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung? Unser Experten-Check zeigt: Auch im ungedämmten Altbau aus den 60ern sind Jahresarbeitszahlen über 3,5 möglich. Erfahrungen, Voraussetzungen und Kosten.
„Wärmepumpen funktionieren nur im Neubau mit Fußbodenheizung." – Dieser Satz hält sich hartnäckig, ist aber technisch längst überholt. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten auch im Altbau effizient – wenn die Planung stimmt. Hier erfahren Sie, unter welchen Voraussetzungen eine Wärmepumpe im Altbau sinnvoll ist und welche Mythen Sie getrost vergessen können.
Mythos 1: Ohne Fußbodenheizung geht es nicht
Das ist der verbreitetste Irrtum. Moderne Wärmepumpen erreichen Vorlauftemperaturen von 55 °C und mehr bei hoher Effizienz. Entscheidend sind nicht die Fußbodenheizung, sondern ausreichend große Heizflächen. Typische Altbau-Heizkörper vom Typ 22 oder 33 (Flachheizkörper) bieten oft genug Leistung. In einzelnen Räumen – etwa dem kleinen Bad – reicht häufig ein Heizkörpertausch gegen ein größeres Modell.
In der Praxis müssen Sie also nicht Ihr ganzes Haus auf Fußbodenheizung umrüsten. Ein gezielter Heizkörpertausch in 2-3 kritischen Räumen macht Ihr System „WP-ready" – für einen Bruchteil der Kosten.
Mythos 2: Die Wärmepumpe braucht ein perfekt gedämmtes Haus
Auch das stimmt so nicht. Es muss nicht die Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus sein. Oft bringen schon gezielte Maßnahmen den entscheidenden Unterschied:
- Oberste Geschossdecke dämmen: 100–150 €/m² – der größte Hebel, weil bis zu 30 % der Wärme über das Dach verloren geht. Mehr dazu in unserem Dämmungs-Ratgeber.
- Kellerdecke dämmen: 30–60 €/m² – einfach, schnell, sofort spürbar.
- Alte Fenster austauschen: Dreifachverglasung (U-Wert ≤ 0,95) – allerdings nur sinnvoll, wenn die Wanddämmung mitgedacht wird, um Schimmel zu vermeiden.
Diese „Sowieso-Maßnahmen" senken die Heizlast deutlich und machen eine kleinere, günstigere Wärmepumpe möglich. Mit einem iSFP planen Sie die optimale Reihenfolge.
Der entscheidende Faktor: Die Vorlauftemperatur
Die Faustregel lautet: Je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur, desto effizienter die Wärmepumpe im Altbau. Das Ziel ist, das Haus an kalten Wintertagen mit maximal 50–55 °C warm zu bekommen. Ob das funktioniert, prüft eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN 12831.
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) – das zentrale Effizienzmaß – sinkt mit steigender Vorlauftemperatur:
- Vorlauf 35 °C → JAZ ca. 4,5 (sehr gut)
- Vorlauf 45 °C → JAZ ca. 3,5 (gut)
- Vorlauf 55 °C → JAZ ca. 3,0 (noch wirtschaftlich)
- Vorlauf über 60 °C → WP oft nicht mehr sinnvoll
Wärmepumpe im Altbau: Welche Typen eignen sich?
Für den Altbau kommen verschiedene Wärmepumpentypen in Frage:
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: Am häufigsten verbaut. Außenaufstellung, geringer Installationsaufwand. Ideal für die meisten Altbauten.
- Erdwärmepumpe (Sole-Wasser): Höhere Effizienz, aber Erdbohrung oder Flächenkollektor nötig. Lohnt bei großen Grundstücken oder hohem Heizbedarf.
- Hybridheizung (WP + Gas): Überganglösung: Die Wärmepumpe deckt den Großteil des Jahres ab, der Gaskessel springt nur an extrem kalten Tagen ein.
Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?
Die Gesamtkosten hängen von Gebäudegröße und Ausgangslage ab:
Typische Kosten für ein Einfamilienhaus (ca. 150 m²)
- Luft-Wasser-Wärmepumpe inkl. Installation: 25.000–40.000 €
- Heizkörpertausch (3-4 Räume): 2.000–4.000 €
- Hydraulischer Abgleich: 400–800 €
- Abzüglich Förderung (30–70 %): -15.000 bis -28.000 €
- Eigenanteil: ab ca. 10.000–15.000 €
Die Förderung setzt eine Heizlastberechnung und einen hydraulischen Abgleich nach Verfahren B voraus. Als BAFA-zertifizierter Energieberater übernehme ich die komplette Antragstellung für Sie.
Realitäts-Check aus Düsseldorf:
In vielen Düsseldorfer Reihenhäusern aus den 60ern und 70ern haben wir erfolgreich Wärmepumpen installiert – oft mit Jahresarbeitszahlen von über 3,5. Die Häuser hatten meist keine Fußbodenheizung, dafür neue Heizkörper in Bad und Küche.
Fazit: Wärmepumpe im Altbau – ja, aber richtig geplant
Eine Wärmepumpe im Altbau funktioniert in den meisten Fällen. Entscheidend sind eine professionelle Heizlastberechnung, gezielte Dämmmaßnahmen und die richtige Dimensionierung. Lassen Sie sich nicht von pauschalen Aussagen verunsichern – jedes Gebäude ist individuell. Vereinbaren Sie eine kostenlose Erstberatung und wir prüfen gemeinsam, ob und wie eine Wärmepumpe bei Ihnen funktioniert.
Häufige Fragen
Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau ohne Fußbodenheizung?
Ja, in den meisten Fällen. Moderne Wärmepumpen arbeiten auch mit konventionellen Heizkörpern effizient, wenn diese ausreichend groß dimensioniert sind (Typ 22 oder 33). Ein gezielter Heizkörpertausch in 2-3 Räumen reicht oft aus.
Ab welcher Vorlauftemperatur ist eine Wärmepumpe im Altbau sinnvoll?
Bis zu einer Vorlauftemperatur von ca. 55 °C arbeiten moderne Wärmepumpen noch wirtschaftlich (JAZ ca. 3,0). Ob Ihr Altbau das erreicht, zeigt eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN 12831.
Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau nach Förderung?
Für ein Einfamilienhaus liegen die Gesamtkosten bei 25.000–40.000 €. Nach Abzug der Förderung (30–70 %) bleibt ein Eigenanteil von ca. 10.000–15.000 €.
Muss ich vor der Wärmepumpe erst dämmen?
Nicht zwingend eine Komplettsanierung. Oft reichen gezielte Maßnahmen wie Dachdämmung und Kellerdeckendämmung, um die Heizlast so weit zu senken, dass eine Wärmepumpe effizient arbeitet.
Haben Sie Fragen zu diesem Thema?
Als zertifizierter Energieberater in Düsseldorf berate ich Sie gerne persönlich. Kostenlose Erstberatung — unverbindlich und kompetent.
Über den Autor: Markus Lenz
Schornsteinfegermeister und BAFA-zertifizierter Energieeffizienz-Experte aus Düsseldorf. Mit jahrelanger Praxiserfahrung berate ich Sie kompetent zu allen Fragen rund um Energieeffizienz und Sanierung.
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